Wenn man eine neue WordPress-Seite aufsetzt, kann man sich im Plugin-Verzeichnis ziemlich schnell verlaufen. Für alles gibt es ein Plugin. Für manches sogar zehn. Und spätestens wenn ein Plugin ein anderes Plugin braucht, damit das erste Plugin ordentlich läuft, wird es langsam albern.
Deshalb hier mal meine Version der Sache: Welche wichtigen WordPress-Plugins beziehungsweise Funktionen braucht man wirklich, was ist nur hilfreich und was kann man sich auch einfach sparen? Denn jedes zusätzliche Plugin will gepflegt, aktualisiert und im Zweifel auch wieder repariert werden.
Sicherheit: ja. Ein Sicherheits-Plugin: kommt drauf an.
Sicherheit ist kein Extra. Die gehört ganz oben auf die Liste. Aber ich würde inzwischen nicht mehr behaupten, dass zwingend jede WordPress-Seite ein riesiges Sicherheits-Plugin braucht. Manche Hoster bringen schon einiges mit, und WordPress selbst wird ebenfalls laufend sicherheitsrelevant aktualisiert.
Was auf jeden Fall sitzen muss: WordPress, Themes und Plugins aktuell halten, vernünftige Passwörter benutzen, unnötige Benutzerkonten vermeiden und nicht jeden Kram installieren, der irgendwo blinkt und „Security“ draufschreibt. Ein gutes Sicherheits-Plugin kann zusätzlich sehr sinnvoll sein, zum Beispiel für Login-Schutz, Zwei-Faktor-Anmeldung, Dateiüberwachung oder eine Firewall. Aber Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass man irgendein Plugin aktiviert und danach gedanklich Feierabend macht.
Wer Gutenberg nicht mag, muss sich nicht quälen
Mit dem Block-Editor von WordPress kommt nicht jeder sofort klar. Muss man auch nicht erzwingen. Es gibt weiterhin klassische Editoren, die eher wie ein normales Schreibprogramm funktionieren. Der bekannte Classic Editor ist dafür nach wie vor verfügbar.
Wenn du mit einem klassischen Editor schneller und sauberer arbeitest, dann nimm ihn. Eine Website gewinnt keinen Preis dafür, dass man sich beim Schreiben möglichst kompliziert anstellt.

Google Fonts: muss die Seite dafür nach draußen telefonieren?
Viele Themes binden Schriftarten von externen Servern ein. Sehr oft landen wir dabei bei Google Fonts. Man muss nicht gleich „Big Brother“ brüllen. Aber wenn beim Aufruf einer Seite der Browser des Besuchers wegen einer Schriftart eine Verbindung zu einem fremden Server aufbaut, sollte man wenigstens wissen, dass das passiert.
Ich mag die einfache Variante: Entweder die benötigten Schriften lokal auf dem eigenen Webspace bereitstellen oder externe Webfonts ganz abschalten und mit vernünftigen Systemschriften arbeiten. Dann sieht die Seite vielleicht auf verschiedenen Geräten nicht auf das letzte Pixel gleich aus. Na und? Lesbar, schnell und funktional schlägt für mich eine hübsche Schrift, die dafür unnötig irgendwo draußen nachlädt.
Emojis abschalten: kein Muss, aber schön aufgeräumt
WordPress bringt zusätzliche Emoji-Funktionen mit. Wer die nicht braucht, kann sie abschalten. Dafür gibt es kleine Plugins, und moderne Browser können normale Emojis ohnehin selbst darstellen.
Das ist für mich kein absolutes Must-have. Eher so eine kleine Aufräumaktion. Ein bisschen unnötiger Code und externe Hinweise weniger. Die Welt wird davon nicht gerettet, aber die Seite wird auch nicht schlechter, nur weil sie nicht an jeder Ecke ein Gesicht mit Herzchenaugen ausspuckt.
Backups: das hier ist wirklich Pflicht
Bei Backups hört für mich die Diskussion auf. Wer eine Website betreibt und kein brauchbares Backup hat, wartet eigentlich nur darauf, irgendwann sehr schlechte Laune zu bekommen.
Ein Backup-Plugin sollte regelmäßig Datenbank und Dateien sichern. Noch wichtiger: Die Sicherung sollte nicht nur irgendwo mitten in derselben WordPress-Installation herumliegen. Wenn genau diese Installation kaputtgeht oder der Webspace ein Problem hat, hilft dir ein Backup daneben im selben Trümmerhaufen nicht besonders viel.
Und ein Backup ist erst dann wirklich beruhigend, wenn man ungefähr weiß, wie man es wieder einspielt. Hundert Sicherungsdateien sammeln und nie prüfen, ob daraus wieder eine Website wird, ist eher digitales Briefmarkensammeln.
SEO-Plugins: guter Helfer, aber kein Ersatz fürs Denken
Ein SEO-Plugin kann ziemlich hilfreich sein. Es erinnert an Seitentitel, Meta-Beschreibungen, Sitemaps und andere Dinge, die man beim Schreiben gern mal übersieht. Gerade am Anfang ist das angenehm.
Aber so ein Plugin macht aus einem dünnen Text keinen guten Text. Und ein grünes Lämpchen bedeutet nicht automatisch, dass Google jetzt vor Freude vom Stuhl fällt. Suchmaschinenoptimierung beginnt immer noch damit, etwas zu schreiben, das jemand tatsächlich sucht und anschließend auch lesen will.
Cache, Komprimierung und Aufräumen
Performance-Plugins können ebenfalls sinnvoll sein. Cache leeren, Seiten zwischenspeichern, Dateien verkleinern oder die Datenbank aufräumen: Dafür gibt es jede Menge Werkzeuge.
Hier würde ich aber nicht blind alles gleichzeitig installieren. Manche Hoster haben bereits eigene Cache-Systeme. Zwei oder drei Optimierungs-Plugins übereinander können sich dann eher gegenseitig in die Beine treten. Und bei irgendwelchen Datenbank-Cleanern drücke ich nicht auf „Alles löschen“, nur weil der Knopf schön groß ist. Erst Backup, dann Hirn einschalten, dann klicken.
Consent-Tools: nur wenn es auch etwas einzuwilligen gibt
Ein Consent-Tool kann notwendig werden, wenn auf der Website Technologien eingesetzt werden, für die vorher eine Einwilligung gebraucht wird. Typische Kandidaten sind bestimmte Tracking-, Marketing- oder Drittanbieter-Dienste.
Aber ein Cookie-Banner gehört nicht automatisch auf jede Website, nur weil irgendwo WordPress läuft. Wenn keine einwilligungspflichtigen Zugriffe oder Dienste eingesetzt werden, braucht man auch keinen großen Einwilligungszirkus nur zur Dekoration. Genau deshalb halte ich unsere Seiten lieber so schlank, dass möglichst wenig von diesem Zeug überhaupt notwendig wird.
Datenschutzinformationen braucht man deshalb natürlich trotzdem. Weniger Daten sammeln heißt nicht, dass man gar nichts mehr erklären muss.
Teilen-Buttons mit Shariff: praktisch, aber kein Grundnahrungsmittel
Auf dieser Seite verwenden wir den Shariff Wrapper, damit Beiträge bequem über verschiedene Dienste geteilt werden können, ohne dass die üblichen Social-Media-Buttons schon beim bloßen Seitenaufruf unnötig Daten an die jeweiligen Netzwerke schicken.
Das finde ich ordentlich gelöst. Trotzdem bleibt es Zusatzkomfort. Inhalte lassen sich auch ohne Teilen-Plugin weitergeben. Und jedes Plugin, das installiert ist, muss irgendwann wieder aktualisiert werden. Deshalb muss man sich schon fragen, ob man die Funktion tatsächlich benutzt.
Statistik: Wie viel musst du wirklich über deine Besucher wissen?
Statistik kann interessant sein. Wie oft wurde ein Beitrag gelesen? Welche Seite wird häufig aufgerufen? Solche Zahlen können einem durchaus etwas sagen.
Man muss daraus aber nicht automatisch eine komplette Besucherbeschattung bauen. Wenn mir reicht zu wissen, wie oft eine Seite aufgerufen wurde, brauche ich nicht zwingend noch einen digitalen Stammbaum jedes Besuchers dazu. Bei Statistiklösungen würde ich deshalb immer schauen, welche Daten tatsächlich erhoben werden und ob ich sie überhaupt brauche.
VG WORT für Leute, die viel schreiben
Wer regelmäßig längere eigene Texte veröffentlicht, kann sich außerdem mit der VG WORT und dem METIS-Verfahren beschäftigen. Für WordPress gibt es inzwischen ein eigenes VG-WORT-METIS-Plugin, das die Arbeit mit Zählmarken und Meldungen erleichtern kann.
Das ist natürlich kein Standard-Plugin für jede kleine Firmenhomepage. Wer aber viele eigene Texte veröffentlicht und die Voraussetzungen erfüllt, sollte zumindest wissen, dass es diese Möglichkeit gibt.
Mein eigentliches Must-have: weniger Zeug
Unterm Strich gibt es für mich nur wenige Dinge, bei denen ich wirklich unruhig werde, wenn sie fehlen: ein vernünftiges Sicherheitskonzept und funktionierende Backups. Alles andere hängt davon ab, was die Website tatsächlich können soll.
Editor, SEO, Cache, lokale Schriften, Consent, Statistik, Teilen-Buttons oder VG WORT können sinnvoll sein. Aber sie müssen einen Zweck erfüllen. Ein Plugin nur deshalb zu installieren, weil irgendeine Liste im Internet „20 unverzichtbare Plugins“ verspricht, ist kein Konzept.
Weniger ist hier meistens tatsächlich mehr. Weniger Plugins bedeuten weniger Updates, weniger mögliche Konflikte und weniger Zeit, die man damit verbringt, irgendeinen Kram zu reparieren, den man vorher überhaupt nicht gebraucht hätte.