Max Wolff über sein Team: Vertrauen ist gut. Menschen sind das Problem.

Max Wolff über sein Team

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Seien wir doch mal ehrlich: Wenn hier keiner aufpasst, wie der Laden läuft, lassen sich meine fünf Kumpels irgendwann von irgendeinem Dahergelaufenen einlullen, betrügen, bescheißen oder gleich komplett über den Tisch ziehen.

Wir wissen doch, wie es läuft. Menschen erzählen dir eine Menge, solange sie etwas von dir wollen. Gute Absichten sind schnell behauptet, Vertrauen ist erstaunlich leicht verspielt und am Ende ist sich dann doch wieder jeder selbst der Nächste.

Meine fünf Freunde sehen das teilweise etwas anders. Zu ihrem Glück gibt es mich.

Oder zu ihrem Pech. Darüber gehen die Meinungen auseinander.

STN//WR – Bruch: zu gut für diese Welt

Bruch ist wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, bei denen ich michtatsächlich frage, ob der falsche Planet ihn ausgespuckt hat.

Der Mann hat Ideen. Pläne. Vorhaben. Und meistens steckt dahinter tatsächlich der Wunsch, irgendetwas besser zu machen. Nicht nur für sich selbst. Genau da fängt das Problem doch schon an.

Ich hoffe, dass seine Vorhaben funktionieren. Wirklich. Ich glaube nur noch nicht so recht daran, dass die Welt ihm dabei denselben Gefallen tun wird. Dafür laufen da draußen einfach zu viele Menschen herum, die Freundlichkeit für Schwäche, Vertrauen für Dummheit und Anstand für eine Einladung halten.

Bruch sieht das durchaus. Nur meiner Meinung nach nicht immer früh genug.

Was ich ihm allerdings zugestehen muss – und ich werde diesen Satz vermutlich bereuen: Der Mann ist loyal. Nicht dieses groß angekündigte „Du kannst immer auf mich zählen“, das spätestens dann verschwindet, wenn es unbequem wird. Sondern richtig loyal.

Und vertrauenswürdig.

Ja. Habe ich gesagt.

Ich habe in meinem Leben nicht viele Menschen erlebt, denen ich dieses Wort ohne einen inneren Lachanfall zugestehen würde. Bei Bruch tue ich es. Ungern, aber ohne Einschränkung.

Stefan von Draußen: Gefühle, überall Gefühle

Stefan kann anstrengend sein.

Diese ganze Gefühlsduselei. Achtsamkeit. Wahrnehmen. Erst einmal schauen, was gerade mit den Menschen passiert. Vermutlich sollen wir irgendwann noch gemeinsam einen Baum umarmen, bevor wir eine Entscheidung treffen.

Nein.

Trotzdem hat er eine Fähigkeit, die man ihm lassen muss: Wenn eine Diskussion hochkocht und fünf Leute anfangen, gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen zu marschieren, verliert Stefan erstaunlich selten den roten Faden. Er merkt, wann ein Gespräch kippt. Er bekommt Leute wieder dazu, miteinander statt nur gegeneinander zu reden.

Das ist nützlich.

Nur falls er sich einbildet, dass er mich irgendwann mit genügend Ruhe, Natur und zwischenmenschlicher Wärme auf seine Seite meditiert, sollte ihm jemand vorsichtig die schlechte Nachricht überbringen.

Ich tanze nicht nach seiner Pfeife.

Auch nicht achtsam.

Nico Rabe: die kleine Krähe glaubt noch an Menschen

Rabe. Unsere kleine Krähe.

Er hat einen Blick für Menschen, das muss man ihm lassen. Er sieht Dinge, die andere übersehen. Stimmungen, kleine Gesten, Widersprüche. Manchmal erkennt er erstaunlich schnell, was mit jemandem los ist.

Und dann macht er aus meiner Sicht den entscheidenden Fehler: Er glaubt trotzdem noch daran, dass hinter all dem meistens etwas Gutes steckt.

Wenn ich sage, dass diese Gruppe teilweise zu gut für diese Welt ist, dann sitzt Rabe ziemlich weit oben auf diesem Eisberg.

Das meine ich nicht einmal ausschließlich abwertend.

Es macht mir eher Sorgen.

Menschen wie Rabe gehen mit offenen Augen durch die Welt und sehen trotzdem Möglichkeiten, wo ich längst die Sollbruchstelle sehe. Das kann eine Stärke sein. Es kann einem aber auch irgendwann gewaltig auf die Füße fallen.

Ich hoffe, dass ihm das erspart bleibt.

Mehr sage ich dazu nicht. Sonst bildet die Krähe sich noch etwas darauf ein.

Bürner: wenigstens einer hat verstanden, wo wir leben

Bei Bürner muss ich weniger erklären.

Ich glaube, der weiß es.

Der weiß, was da draußen herumläuft. Er weiß, dass Menschen Grenzen überschreiten. Dass nicht jede Situation durch gutes Zureden verschwindet. Dass Gefahr nicht erst dann existiert, wenn sie höflich angeklopft und einen Termin vereinbart hat.

Bürner schaut hin.

Er hat einen Instinkt dafür, wann etwas nicht stimmt. Nicht wegen irgendeiner Theorie und nicht, weil er überall Gespenster sieht. Sondern weil er genug erlebt hat, um bestimmte Dinge ernst zu nehmen.

Dafür verdient er meinen Respekt.

Und Respekt verteile ich nun wirklich nicht wie Werbegeschenke auf einer Messe.

Konrad Falk: völlig irre – aber hervorragend ausgestattet

Max Wolff über sein TeamUnd dann wäre da Falke.

Falke kann mich wahnsinnig machen.

Irgendeine Krise steht grundsätzlich kurz bevor, irgendwo zieht jemand im Hintergrund die Fäden und wenn morgen gleichzeitig Stromnetz, Wasserversorgung, Mobilfunk und gesellschaftliche Ordnung zusammenbrechen, wird Falke vermutlich nur sagen: „Hab ich doch gesagt.“

Manche seiner Weltuntergangsszenarien und Verschwörungstheorien sind derart anstrengend, dass ich gelegentlich überlege, ob ich selbst einen Notvorrat brauche. Hauptsächlich für Gespräche mit ihm.

Aber eines muss man dem Mann lassen:

Wenn du etwas brauchst, hat Falke es.

Und wenn du ein Problem hast, das mit den üblichen Mitteln nicht zu lösen ist, kennt Falke entweder eine Möglichkeit, besitzt das passende Zeug oder kennt jemanden, der jemanden kennt.

Seine Lösungen wirken dabei gelegentlich so suspekt, dass man besser nicht zu viele Anschlussfragen stellt.

Aber sie funktionieren erstaunlich oft.

Das ist leider ein ziemlich überzeugendes Argument.

Warum ich bei diesem Haufen bleibe

Bruch vertraut den Menschen manchmal zu viel. Stefan möchte wahrscheinlich noch mit ihnen über ihre Gefühle reden. Rabe sucht selbst im größten Idioten irgendeinen Rest Menschlichkeit. Falke erwartet dafür gleich den Zusammenbruch der Zivilisation. Und Bürner ist vermutlich der Einzige, bei dem ich gelegentlich denke: Gut, wenigstens einer hat verstanden, was ich meine.

Also passe ich eben mit auf.

Nicht weil die fünf hilflos wären. Das sind sie nicht. Und erst recht nicht, weil ich glaube, grundsätzlich alles besser zu wissen.

Ich traue nur der Welt weniger als sie.

Vielleicht liege ich manchmal falsch. Wäre schön.

Bis dahin gilt: Sie können ruhig versuchen, an das Gute im Menschen zu glauben. Irgendeiner muss schließlich darauf achten, was das Gute währenddessen mit der Brieftasche macht.

Und falls ich das irgendwann abstreite: Natürlich sind mir diese fünf wichtig.

Aber wer ihnen das erzählt, hat anschließend ein Problem mit mir.

Geschrieben von Max Wolff