Konrad Falk – Falke: Ein Plan reicht nicht

Konrad Falk Falke

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Eine Sache, die ich gar nicht mag, ist dieser Satz: „Ich habe einen Plan.“

Ein Plan ist scheiße. Ganz einfach.

Kennt ihr den Schmetterlingseffekt? Eine kleine Veränderung irgendwo – und plötzlich läuft die ganze Sache völlig anders als gedacht. Ein Flügelschlag, und dein schöner Plan ist hinfällig.

Deshalb brauchst du einen Plan B. Und einen Plan C. Von mir aus auch noch einen Plan D. Denn es kann immer etwas passieren. Die Frage ist nur: Was machst du dann? Und was passiert, wenn du nicht vorbereitet bist?

Tja.

Meine Freunde sind vorbereitet. Zumindest teilweise. Dafür bin ich schließlich mit im Spiel.

Klar, die anderen halten mich manchmal für ein bisschen verrückt. Aber schaut euch doch einmal um auf dieser Welt. Seht ihr das nicht? Dinge fallen aus. Systeme funktionieren plötzlich nicht mehr. Menschen machen Fehler. Irgendetwas, von dem alle behauptet haben, es könne niemals passieren, passiert dann eben doch.

Ob kurz oder lang: Früher oder später geht hier irgendetwas den Bach runter.

Nicht mit mir.

Ich werde überleben. Hundert Pro. Das sage ich euch.

STN//WR – Bruch

Konrad Falk FalkeKommen wir zu Bruch.

Ja, Bruch ist einer von denen mit dem Plan. Er mag Struktur. Er denkt Dinge durch. Alles schön und gut.

Aber – und das muss man ihm lassen – er gestattet Plan B. Und Plan C. Wenn es sein muss, sogar Plan D.

Das unterscheidet ihn von den Leuten, die sich einen einzigen schönen Ablauf ausdenken und anschließend fest davon überzeugt sind, dass die Wirklichkeit gefälligst genauso zu funktionieren hat.

Und ja, auch wenn Bruch das wahrscheinlich nicht besonders gern zugibt: Wir hatten das schon einmal. Da war mein Plan B plötzlich gar nicht mehr so verrückt.

Mein Plan B hat uns den Arsch gerettet.

Seitdem hört er zumindest zu, wenn ich sage, dass irgendwo noch eine Schwachstelle ist. Er übernimmt nicht jeden meiner Vorschläge – wäre vermutlich auch zu viel verlangt –, aber er winkt mich eben auch nicht einfach ab.

Ansonsten ist Bruch ein guter Mann. Einer, auf den man sich verlassen kann.

Aber auch er ist nur so gut wie das ganze Team.

Und wir sind ein gutes Team.

Bürner – der Realitätscheck

Bürner hat auch so einen gewissen Sensor für Gefahr.

Nur anders als ich.

Ich denke vorher darüber nach, was alles passieren könnte. Bürner kommt irgendwo rein und merkt, wenn etwas nicht stimmt.

Keine Ahnung, wie genau er das macht. Wahrscheinlich Erfahrung. Instinkt. Vielleicht schaut er auch einfach besser hin als die meisten anderen.

Wenn irgendwo etwas nicht in die Situation gehört, wenn sich jemand merkwürdig verhält oder die Stimmung plötzlich kippt – Bürner checkt das.

Und das ist wichtig. Denn du kannst noch so viele Szenarien vorher durchspielen: Irgendwann brauchst du jemanden, der dir sagt, was gerade tatsächlich vor deiner Nase passiert.

Wenn Bürner sagt, dass etwas komisch ist, höre ich jedenfalls hin.

Nico Rabe – Ressourcen ohne Vorräte

Rabe versteht es ebenfalls, mit Ressourcen umzugehen.

Schon erstaunlich, was der auf seinen Streifzügen alles zutage fördert. Dinge, an denen andere vorbeilaufen oder die längst jemand abgeschrieben hat, haben bei Nico plötzlich wieder einen Zweck.

Das gefällt mir.

Sein Problem ist nur: Der Mann lebt für den Moment.

Vorräte? Kaum.

Vorbereiten auf das, was vielleicht nächste Woche, nächsten Monat oder irgendwann danach passiert? Nicht seine große Stärke.

Er vertraut viel zu sehr darauf, dass sich schon wieder irgendetwas finden wird.

Das muss er noch lernen.

Das wird er noch lernen.

Er hat ja mich.

Stefan von Draußen – verdächtig ruhig

Also manchmal finde ich diese Ruhe, die Stefan an den Tag legt, nahezu verdächtig.

Wirklich.

Da kannst du ihm erklären, was alles passieren kann, wo etwas ausfallen könnte und warum eine Situation durchaus das Potenzial hat, richtig beschissen zu werden – und dann kommt dieses Halblächeln.

Diese Ruhe.

Dieses Vertrauen darauf, dass nicht automatisch alles schiefgeht.

Ich weiß nicht.

Für mich sieht das häufig nach mangelnder Vorbereitung aus.

Stefan würde das vermutlich anders nennen. Er kann Unsicherheit einfach stehen lassen, ohne sofort fünf Alternativen dafür aufzustellen. Ich dagegen möchte wissen, was wir machen, wenn Möglichkeit eins nicht funktioniert.

Und Möglichkeit zwei.

Und drei.

Immer nur das Gute sehen wird jedenfalls nicht funktionieren.

Andererseits muss ich zugeben: Wenn alle anderen gleichzeitig anfangen durchzudrehen, ist jemand, der ruhig bleibt, vielleicht gar nicht so schlecht.

Solange vorher jemand die Ersatzlösung organisiert hat.

Max Wolff – fast verstanden

Konrad Falk FalkeWolff.

Ich glaube, Wolff ist der Einzige, bei dem ich manchmal denke: Der hat verstanden, worum es geht.

Man könnte meinen, er würde immer nur alles schlechtreden. Aber so einfach ist es nicht. Wolff rechnet damit, dass Menschen lügen, betrügen, ausnutzen oder sich im entscheidenden Moment eben nicht so verhalten, wie man es gern hätte.

Damit liegt er vermutlich öfter richtig, als den anderen lieb ist.

Sein Problem ist nur: Wolff sieht vor allem die Menschen.

Ich sehe den Rest.

Versorgung. Technik. Abläufe. Abhängigkeiten. Ausfälle. Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen. Eine Kette funktioniert eben nur so lange, bis irgendwo ein Glied reißt.

Wolff fragt: „Was ist, wenn der Typ uns bescheißt?“

Ich frage zusätzlich: „Was ist, wenn der Typ gar nicht kommt, weil sein Auto nicht anspringt, sein Handy leer ist und gleichzeitig der Strom ausfällt?“

Das ist ein Unterschied.

Ansonsten ist Wolff definitiv jemand, der vorsichtig ist. Und bei diesem Haufen ist es beruhigend, wenigstens noch jemanden zu haben, der nicht automatisch davon ausgeht, dass schon alles gutgehen wird.

Und ich? Ich bin Falke.

Ich muss nicht vorne stehen.

Ich muss auch nicht derjenige sein, der am Ende recht bekommt.

Mir reicht es, wenn jemand vorher fragt: Was passiert, wenn das hier schiefgeht?

Was brauchen wir dann? Gibt es eine Alternative? Haben wir Reserven? Wer übernimmt, wenn jemand ausfällt? Und was machen wir, wenn genau die Sache passiert, die angeblich sowieso niemals passieren kann?

Die anderen können mich dafür gern für verrückt halten.

Wenn nichts passiert, war ich eben zu gut vorbereitet.

Damit kann ich leben.

Wenn aber doch etwas passiert, sind meine Freunde nicht völlig unvorbereitet.

Und darum geht es.

Ein Plan ist nett.

Ich sehe euch bei Plan B.

Geschrieben von Konrad Falk / Falke